Kolbermoor – Zum zweiten Mal war Cem Karakaya, der humorvolle Internet-Spezialist von Interpol, an der Pauline-Thoma-Schule zu Gast, diesmal gleich mit drei erfolgreichen Vorträgen an einem Tag. Nicht nur bei Kolbermoorer Schülern, sondern auch bei den Lehrern und Eltern kam er gut an.

Cem Karakaya war die Aufmerksamkeit seiner Zuhörer sicher. Foto mej
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Cem Karakaya war die Aufmerksamkeit seiner Zuhörer sicher. Foto mej

Caroline Rohmann machte sich für den Verein „Kolbermoorer helfen e.V.“, der die Vorträge veranstaltet hatte, mit dieser Aktion erneut stark für mehr Aufklärung über gefährliche Vorgänge im Internet.

„Ohne Verbote, sondern mit Know-How im Internet“, so die Devise des Referenten. „Ich bin selber gerne im Internet, bin Hacker und Zocker, und ich bin in sozialen Netzwerken unterwegs“, sagt Cem Karakaya vom Polizeipräsidium München, Bereich ‚Neue Medien und Internetkriminalität‘. Allerdings warnt er davor, sich von Handy und PC beherrschen zu lassen. Am Wochenende und im Urlaub seien seine Geräte abgeschaltet.

Und er warnte vor der großen Arglosigkeit, mit der Privates ins Netz gestellt wird. „Persönlich bin ich dagegen, dass man diese Medien verteufelt. Ich bin mehr dafür, die Gefahren und die Grenzen zu zeigen, ohne den Leuten den Spaß zu verderben. Ich sage den Kindern und Jugendlichen immer: Bitte stellt Euch zwei Fragen, bevor Ihr etwas ins Netz stellt: Muss das sein? und könnte ich es später einmal bereuen?“, so der frühere Interpol-Agent für Internetkriminalität. Man müsse die Möglichkeiten durchschauen lernen, die man anderen im Internet freiwillig biete, indem man seine eigenen Daten, seine Vorlieben und Privatsachen ins Netz stelle. Karakaya warnte auch vor schlüpfrigen Fotos oder Selfies im Internet. Denn damit mache man sich neuerdings strafbar (§ 201a/§184, Verbreitung von allen – auch eigenen – „Bildaufnahmen, die geeignet sind, dem Ansehen der abgebildeten Person erheblich zu schaden“), das wisse nur kaum jemand. Ohnehin landeten alle Fotos und Kommentare über die sozialen Netzwerke in den USA. „Wenn man überall angibt, was einem gefällt oder nicht gefällt, erstellt man ein Profil im Internet. Kinder und Jugendliche tun mir so leid, weil sie das nicht wissen und vielleicht später keinen Job finden, da die Arbeitgeber in den sozialen Netzwerken entdecken können, was ein Bewerber dort bisher so getrieben hat“, so der ehemalige Internet-Agent.

Viele nützliche Hinweise gab Cem Karakaya für mehr Sicherheit im Internet. Dabei warnte er etwa vor sogenannten „Botnetzen“: Durch Schadsoftware können die Computer infiziert und von Kriminellen ferngesteuert missbraucht werden. Eine eingebaute Kamera im Laptop sollte man zukleben und eine externe Kamera anschließen, um nicht ausgespäht werden zu können. Infos zum Schutz für den eigenen Computer gegen Cyber-Kriminalität gibt es unter: www.botfrei.de (Anti-Botnet Beratungszentrum). Außerdem empfahl der Internet-Polizist die Webseite: www.klicksafe.de (EU-Initiative „für mehr Sicherheit im Netz“).

Karakaya: „Die Daten, insbesondere die persönlichen Daten, sind wie ein Schatz zu betrachten. Die Meinung ‚Ich habe nichts zu verbergen‘ ist ganz und gar falsch! Sie würden sich wundern, was man so alles mit Ihren Daten machen kann. Das Thema Identitäts-Diebstahl wird leider unterschätzt. Um an solche Daten zu kommen oder Ihre Daten zu stehlen, muss man kein Hacker sein!“

Die Veranstaltungen machten klar, dass man unbedingt Zeit investieren und sich informieren über den Schutz der eigenen Daten sowie der Computer und Smartphones müsse. mej