Kolbermoor – Die junge Pianistin Sophie Pacini hatte die Idee, die von der „Ayinger Gmoa Kultur“ aufgegriffen und von der örtlichen Privatbrauerei unterstützt wurde, zusammen mit zwei Studienkollegen des Salzburger Mozarteums zur Hilfe für Flutopfer der jüngst erlebten Mangfall-Überschwemmung zu konzertieren. Der Verein „Kolbermoorer helfen“ brauchte also nur zuzugreifen, um drei großartige Stars in der Aula der Pauline-Thoma-Mittelschule einem sachkundigen und begeisterten Publikum vorzustellen.

Erfolgreiches Benefizkonzert mit Sophie Pacini, Gundula Leitner und Clemens Gordon, hier mit den Vertretern der Ayinger Gmoa und Kolbermoorer helfen
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Erfolgreiches Benefizkonzert mit Sophie Pacini, Gundula Leitner und Clemens Gordon, hier mit den Vertretern der Ayinger „Gmoa“ und „Kolbermoorer helfen“.

Die Vorsitzende von „Kolbermoorer helfen“, Gabi Böning, begrüßte die drei Künstler, das Ayinger-Gmoa-Team und die Zuhörer.

Sophie Pacini hatte schon mit sechs Jahren bei Friederike Hübner mit dem Klavierunterricht angefangen, wechselte bereits mit acht Jahren an das Mozarteum und ist jetzt, mit 21 Jahren, zu einer gefragten Klavierbegleiterin und Solistin herangereift.

Zusammen mit Gundula Leitner am Violoncello musizierte sie zunächst sieben meisterhafte Variationen Ludwig van Beethovens über Mozarts Zauberflötenduett „Bei Männern, welche Liebe fühlen“. Die beiden legten gleich mit großem Schwung los, kosteten die sich kreuzenden Stimmen voll aus und genossen es ganz offensichtlich, nach wilden „furiosi“ zuckersüße Legatopassagen auszusingen. Es scheint nicht vermessen, den beiden Musikerinnen eine glänzende Zukunft vorherzusagen.

Des Romantikers Franz Schubert a-Moll-Sonate für Klavier und Arpeggione (Viola) kann man sich kaum klarer strukturiert wünschen. Jedenfalls war das „allegro moderato“ stellenweise eher mit „prestissimo“ zu titulieren, unverkennbar war stets die großartige Einigkeit des Accellerierens und Rallentierens. Wohltuend sanft und mit überirdisch ätherischer Zartheit gingen die beiden das „adagio“ an. Sophie Pacini, wenngleich nur Begleitpartner der Viola, gab die Führung vor. Flink und beweglich folgte zuletzt der „allegretto“-Satz, wo zudem Clemens Gordon zu seinen gestrichenen Viola-Passagen längere Arpeggien-Läufe hatte, was das Tempo noch zusätzlich zu beschleunigen schien.

Frédéric Chopins Scherzo Nr. 2 in b-Moll, op 31 kommt (nicht überraschend) zugleich polternd und perlend daher und gibt der Pianistin alle Möglichkeiten zu brillieren, auch nachdenkliche Phasen einzuschieben und somit alle Register des Gemütslebens anzusprechen und zu befriedigen. Stilsicher gelang es ihr, alle Nuancen hörbar zu machen.

In der Konzertpause war es beeindruckend zu beobachten, wievielerlei appetitliche Häppchen der Verein „Kolbermoorer helfen“ für die Gäste zubereitet hatte, um sie zu besonderer Spendenfreudigkeit anzuregen. Beeindruckend waren auch (allerdings nicht wirklich erfreulich) die vielen joggenden, radelnden oder skateboardenden Jugendlichen hinter der „Bühne“ im Gesichtskreis der Zuschauer.

„Apres un rêve“ (nach einem Traum) Gabriel Faurés stellt vor allem an das Violoncello große Ansprüche, da die Kantilenen geschmeidig und sentimental singend über mehrere Oktaven ohne Brüche und möglichst beweglich fließen müssen.

Als ein Segen erwies es sich, dass Johannes Brahms sein Trio a-Moll, op. 114, nach Belieben für Klarinette oder Viola freigegeben hatte. Gundula Leitner am Violoncello und Clemens Gordon an der Viola spielten sich die Läufe und Verzierungen gegenseitig zu. Dabei schmückte der füllige Ton des Cellos die Ideen des schlanken Viola-Gesangs wundervoll aus. Dazwischen blitzte immer wieder der virtuose Klavierpart Sophie Pacinis durch, die sich dezent im Hintergrund hielt, aber dennoch stets integrativer Bestandteil der Brahms-Komposition war. Franz Liszts Transkription der Thannhäuser-Ouvertüre von Richard Wagner ist eine geniale Komposition, in der keine harmonische Wendung des Wagner-Originals zu kurz kommt.

Wer nicht die Zeit oder die Kraft hat, den kompletten Thannhäuser durchzustehen, der ist auch mit Liszts Ouvertüren-Transkription bestens bedient, speziell, wenn das großartige Werk so adäquat dargeboten wird wie von Sophie Pacini.

Das Publikum in der Pauline-Thoma-Schule dankte ihr und ihren Freunden zu Recht mit langen Ovationen. ceb